Vocal Coaching versus Botox

Patienten mit einer spasmodischen Dsysphonie laufen oft hilflos von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt zum anderen, von einem Logopäden oder Sprachtherapeuten zum anderen. Kaum einer kennt dieses Krankheitsbild, geschweige denn wie diese Störung behandelt wird. Auch in unseren Universitätskliniken geht man der eigentlichen Behandlung Krankheit aus dem Weg. Das hat zur Folge, dass diese Störung nie behoben wird. Statt dessen werden Patienten mit einer spasmodischen Dysphonie durch die Universitäts-HNO-Ärzte mit Botox behandelt.

Botox ist jedoch ein hochgradiges Nervengift. Der ärztliche Forscher und Dichter Justinus Kerner aus Weinsberg (Kerner Lieder Robert Schumann) entdeckte zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine eigentümlich Krankheit bei seinen württembergischen Bauern. Diese eigentümliche Krankheit führte zu Lähmungen bei den erkrankten Bauern. In schlimmen Fällen sogar bis zum Tod. Kerner beobachtete weiter, dass die Ursache dieser Erkrankung in der Ernährung der Bauern zu suchen sei. Er stellte fest, dass die Bauern nach Tierschlachtungen die Blut- und Leberwürste in der Asche Ihrer Öfen aufhoben. Die Bauern aßen lange von diesen Würsten, auch noch zu dem Zeitpunkt, wo diese bereits sauer geworden waren. Hier war die Ursache zu suchen. Denn aßen die Bauern von den bereits sauer gewordenen Blut- und Leberwürsten, wurden sie alsbald von dieser "merkwürdigen Krankheit" befallen. Justinus Kerner nannte diese Krankheit Botulismus und das Nervengift, das zur Lähmung führte, Botulin. Als " Das Fettgift oder die Fettsäure" beschrieb er 1822 das Botulin in seinem Buch.

Kerner schrieb: "Das Wurstgift wirkt nur im peripheren Nervensystem, dagegen nicht im Rückenmark und im Gehirn.". (S. 243 Justinus Kerner, Eine Dokumentation zum Kernerjahr/zum 200. Geburtstag) Es findet also keine direkte Übertragung der Signale vom Zentralen Nervensystem auf die Organe und die Muskulatur statt.

Die moderne Medizin hat dieser Postulierung bis heute nicht widersprochen. Auch der weitergehenden Überlegung Kerners folgte die moderne Medizin, nämlich das isolierte Botulinumtoxin in minimalen Dosen als Therapeutikum einzusetzen.

Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist jedoch leider zu einer typischen Behandlung im Zeitalter der fortscheitenden Biologisierung der Medizin geworden. Dieses Botulinumtoxin, kurz Botox, wird dabei unter großen Schmerzen in verkrampfte Muskel gespritzt, um deren Nerven zu lähmen. Im Falle der Spasmodischen Dysphonie wird Botox direkt und ohne Betäubung durch den HNO-Arzt in den Musculus Vocalis injiziert. Auf Seiten der Ärzte hat es den Fortteil, dass dieses Medikation alle 3 Monate wiederholt werden muß. Der Arzt verdient bestens und bequem. Ferner sichert er sich einen Patientenstamm auf Jahre. Die HNO-Universitätskliniken haben eigens abgestellte Botox-Spezialisten. Mir wurde von Fällen berichtet, in denen Patienten zwanzig Jahre alle drei Monate Botox direkt in den Muskulus Vocalis gespritzt bekamen.

Aus Sicht der Patienten ist dies eine gut erkennbare und ärztliche Maßnahme. Anderen gruselt alleine schon bei der Berichterstattung dieser sogenannten Therapie. Der Patient hat ein gutes Gewissen, da er für seine Gesundheit leidet. Zugleich erspart es dem Patienten sich mit der Rekonstruktion seiner Stimme zu befassen. Ferner erspart es dem Patienten sich mit den wirklichen Problemen, die diese Krankheit ausgelöst haben, auseinander zusetzen.

Der Preis für diese symptomatischen Behandlung ist jedoch sehr, sehr hoch. Die Patienten werden nicht geheilt. Diese Patienten werden zu chronisch Kranken. Sie bleiben immer von Ärztlicher Hand abhängig. Sollte der Körper das wohldosierte Gift nicht mehr vertragen, werden diese Patienten in die Isolation und Einsamkeit getrieben. Die Rote Liste 2000 (64049) weist ausdrücklich daraufhin, dass es sich bei der Injektion von Botox ausschließlich um eine "symptomatischen Alternativbehandlung" handelt.

Fassen wir zusammen: Der HNO-Arzt kümmert sich nicht um den Ursprung der Krankheit, noch kümmert er sich um die Rekonstruktion der Funktionen, die eine gesunde und natürliche Phonation bedingen. Er beherrscht diese Techniken auch nicht und die Logopäden und Stimmtherapeuten sind völlig überfordert.

Durch Vocal Coaching erreicht der Patient aber wieder völlige Stimmfunktion und damit Stimme, Wohlklang und Wohlbefinden. Durch Vocal Coaching erreicht der Patient ebenfalls seine Unabhängigkeit und seine Freiheit wieder. Vor allem erreicht der Patient seine Kommunikationsfähigkeit und seine Arbeitsfähigkeit. Der Patient hat damit den Kontakt zu seinen Mitmenschen wiedergewonnnen und kann sich aus der Isolation lösen. Vocal Coaching versus Botox. Ich verspreche Heilung auf Dauer auf eine nicht schmerzhafte Methode. Die Krankenkassen bezahlen diese aber nicht.

Durch Vocal Coaching wird eine durch eine Spasmodische Dysphonie gestörte Stimme vollständig rekonstruiert. Der Patient ist dabei stets aktiv an allen Übungen und Maßnahmen beteiligt.

Durch Vocal Coaching wird eine spasmodisch dysphonisch gestörten Stimme rekonstruiert. Hierzu wird eine wieder funktionierende funktionelle Atemtechnik aufgebaut. Der Stimmbandschluss wird korrigiert und wieder in seine ganzheitliche Funktion gebracht. Die Stimm- und Sprechresonanzen werden bewusst gemacht und neu erarbeitet. Die Sprech- und Artikulationsmuskulatur wird korrigiert und aktiviert. Wichtiges Merkmal des Vocal Coaching ist es, Artikulation und Phonation in Relation zur Atmung zu stellen. Die sich natürlich biologisch bedingende Beziehung zwischen Sprache und Atmung wird konsequent erarbeitet und trainiert. Wesentliches Etappen-Ziel des Vocal Coaching ist das völlig reibungslos und natürliche Zusammenspiel von Sprache und Atmung.

Fließendes Reden am Text und in der freien Rede, das Sprechen am Telefon, sowie die therapeutische Begleitung der Alltagssituationen ( sog. aktive Desensitisierung) sind weitere notwendige Maßnahmen und Übungen. Im Laufe des Vocal Coaching kann sich eventuell die Notwendigkeit anderer Techniken ergeben, was jedoch den zeitlichen Rahmen nicht wesentlich beeinflusst. Langfristiges Ziel hierbei ist, dass der Patient später auch seine Stimme in großen Stresssituationen sicher beherrscht und anwenden kann. Ferner erlernt der Patient, für ihn kritische stimmliche Situationen frühzeitig zu erkennen und sich präventiv verhalten zu können.

Ich möchte im folgenden das Beispiel einer Patientin mit der Diagnose "Spasmodische Dysphonie" schildern:

Stimmanalyse

Als die Patientin mit mir telefonisch Kontakt aufnahm, konnte ich Ihren Namen am Telefon nicht verstehen. Sie kam dann zu dem von mir vorgeschlagenen Termin. Ihre Stimme war absolut gebrochen, klang kehlig und rau, so dass eine normale sprachliche Kommunikation nicht mehr möglich war. Ein gesprochener Satz bestand aus unendlich vielen Klanglöchern. Die gesprochenen Nachrichten, die die Patientin einem Zuhörer mitteilen wollte, konnte der Zuhörer nur schwer oder gar nicht verstehen.

Die Atmung der Patientin war der natürlichen Atemfunktion entgegen gestellt. Das Zwerchfell war übermäßig nach oben gespannt. Dadurch drückte die sich von Natur aus einstellende Luftsäule ständig mit übermäßigem Druck von unten gegen die Stimmlippen. Durch diesen unnatürlichen und permanenten Druck wurden die Stimmlippen nachhaltig geschädigt. Ein natürliche Phonation war nicht mehr möglich. - Ohne nachhaltige Regulation der Atemfunktion ist eine Rekonstruktion der Stimme unmöglich. Denn die Sprache ist nur durch Respiration möglich. (Astronauten/Mond).

Da die Patientin als Stimmtherapeutin einen sprechenden Beruf hat, war sie damit nicht in der Lage ihrer Tätigkeit nachzugehen. Sie war auch nicht in der Lage, sich selbst zu helfen. Dieses ist ein allgemeines Phänomen und trifft sinngemäß auf jeden Therapeuten zu. Doch auch direkte Kollegen konnten nicht helfen.

Durch gezielte Arbeit an Atmung und Stimmlippenschluss konnte die Patientin die Stimmresonanzen in den funktionellen Übungen schon bald recht gut wiedererlangen. Dies bedeutete, dass ein kurzer gehaltener Ton nach und nach wieder möglich geworden war. Die Konsonanten wurden separat und in Verbindung mit Vokalen trainiert, ebenso im umgekehrten Verhältnis die Vokale. Nach dem Erarbeiten der Silben (ni, ne, no, nu, na) wurde der Wechsel der Vokale mit den Konsonanten und umgekehrt im gesprochenen Wort und anschließend anhand von Übungstexten trainiert.

Zunächst fiel dies der Patientin noch sehr schwer. Parallel dazu wurde die Atemfunktion weiter korrigiert und stabilisiert.

Nach cirka drei Monaten stellten sich dann aktuelle Sprechsituationen wie folgt dar: In einem Satz von beispielsweise sechs Worten konnte die Patientin die ersten drei Worte klar und ohne Klanglöcher sprechen. Danach brach die Stimme noch weg, wenn auch nicht mehr so stark wie zu Beginn des Vocal Coaching. Hierbei handelte es sich um Gesprächssituationen, auf die die Patientin vorbereitet war. In überraschenden Sprech-Situationen konnte dieses Ergebnis noch nicht erreicht werden.

Nach 1 1/2 Jahren war die Stimme wieder soweit rekonstruiert, dass die Patientin ganz normale Gespräche führen konnte. Doch manchmal überforderte sich die Patienten dann auch. Um beispielsweise in einem Lokal gehört zu werden, sprechen sie in einer geselligen Runde zu laut, zu viel und zu lange. Der Muskulus Vocalis war dann überfordert. Es kam dann wieder zu einer Verkrampfung entsprechend einem Muskelkater. Solche Rückschläge sind normal und stehen an der Tagesordnung. Wesentlich hierbei ist, dass die Stimme nach kurzer Zeit wieder auf dem bereits zuvor erreichten Niveau ist. Dennoch fordert diese behutsame und systematische Stimmrekonstruktion von den Patienten viel Mühe, Geduld und Selbstdisziplin.

Die Stimmrekonstruktion fordert ihr Attribut. Es ist Zeit, die benötigt wird, um die Stimm-, Sprech- und Atemmuskulatur nicht nur zu rekonstruieren. Die Stimm-, Sprech- und Atemmuskulatur muss auch stabilisiert und in sich gefestigt sein, sowie deren Zusammenspiel reibungslos funktionieren.

Bei schonender systematischer Stimmrekonstruktion mittels Vocal Coaching benötigt der Patient cirka drei Jahre, um wieder normal und in jeder Situation sprechen zu können. Es ist dann für den Patienten auch möglich, sich unbeschadet Stresssituationen aussetzen zu können.

Letztendlich erlangt der Patient durch Vocal Coaching seine Freiheit und Unabhängigkeit wieder. Auch wenn das zur Spasmodischen Dysphonie führende Problem nicht völlig beseitigt ist, ist es dem Patienten durch Vocal Coaching möglich, wieder normal am Leben teilzunehmen.